Das Wenige zuerst
Warum bei uns fast jedes Projekt mit drei Materialien anfängt
Wenn ich zum ersten Mal zeige, wie ein Zuhause aussehen wird, ist da erst mal sehr wenig. Ein Holz, ein Stein, ein Metall. Das war’s.
Ich arbeite in Schichten, und die erste ist immer die ruhigste. Nur die Oberflächen. Boden, Wände, das Material, aus dem der Raum gemacht ist. Noch keine Möbel, keine Textilien, keine Einbauten. Das klingt nach wenig, und genau das ist der Punkt.
Fast immer kommt an dieser Stelle dieselbe Frage. Ob das nicht zu ruhig wird. Ich verstehe das gut, auf den ersten Blick sieht es nach zu wenig aus.
Denn diese erste Schicht ist die Bühne. Sie entsteht von Anfang an für genau diesen einen Menschen, alles maßgefertigt, nichts von der Stange. Und alles, was später kommt, steht darauf. Wenn sie stimmt, kann ich aufbauen, Schicht für Schicht. Erst die Möbel. Dann die Textilien. Ganz am Schluss das Bewegliche, das mit der Zeit dazukommt. Aber keine dieser Schichten kann reparieren, was darunter nicht funktioniert. Deshalb fange ich unten an, beim Ruhigsten.
„Denken Sie sich die Möbel weg, die Textilien, alles Bewegliche. Was übrig bleibt, ist die erste Schicht.“Andrea Harbeck

Manchmal zeige ich dann Bilder von fertigen Projekten und sage: Denken Sie sich die Möbel weg, die Textilien, alles Bewegliche. Was übrig bleibt, ist die erste Schicht. Und die entscheidet mehr über das spätere Gefühl im Raum, als man glauben würde.
Das ist der spannendste Teil meiner Arbeit. Und der schönste Moment kommt am Ende, wenn jemand im fertigen Raum steht und versteht, warum wir mit so wenig angefangen haben.

-
By
Andrea Harbeck
- Date Juni 25, 2026
-
Photography
Maximilian Bridts, Andrea Harbeck, Christine Bauer
- Mentioned