Lichteinfall
Warum viele meiner Räume lange vor dem Entwurf entstehen
Die meisten denken wahrscheinlich, Inspiration beginnt irgendwo zwischen Moodboards, Büchern oder Reisen. Bei mir beginnt sie meistens hier. Im Wald vor meiner Haustür.
Ich gehe seit Jahren denselben Weg. Manchmal fast jeden Tag. Und trotzdem sieht er nie gleich aus. Das Licht verändert alles. Nach Regen wird der Boden fast schwarz. Im Winter wirken die Baumstämme grafischer. Im Sommer verschwinden plötzlich Räume hinter Blättern, die am Tag davor noch offen waren.
Wahrscheinlich liebe ich den Wald deshalb so sehr. Weil er nie dekoriert wirkt. Und trotzdem vollkommen gestaltet ist.
Hier draußen lerne ich eigentlich alles, was mich später in Interiors interessiert: Rhythmus. Ruhe. Wiederholung. Spannung. Materialien, die altern dürfen. Licht, das sich permanent verändert und genau dadurch Atmosphäre schafft.
„Der Wald erinnert mich oft an Architektur. Es gibt einen Boden, der alles zusammenhält. Bereiche, die sich wie Wände anfühlen. Und Bäume, die wie Möbel im Raum stehen und Struktur geben.“Andrea Harbeck

Es gibt eine Stelle, an der ich fast immer stehen bleibe. Die Bäume stehen dort wie selbstverständlich im richtigen Abstand zueinander. Fast wie gesetzt. Dazwischen fällt Licht hindurch und macht den Raum gleichzeitig offen und geschützt.
Genau dieses Gefühl versuche ich oft in Räume zu übersetzen.
Zum Beispiel mit Holzjalousien. Sie schließen einen Raum nicht ab, sondern schaffen eine weitere Ebene. Sie filtern Licht, nehmen Härte heraus und erhalten gleichzeitig die Lebendigkeit eines Raumes. Oder mit transparenten Ebenen, die nicht wirklich trennen, sondern Dinge weicher machen. Ich mag Räume, die nicht sofort alles preisgeben. Im Wald funktioniert Atmosphäre ganz ähnlich.
Der Wald erinnert mich oft an Architektur. Es gibt einen Boden, der alles zusammenhält. Bereiche, die sich wie Wände anfühlen. Und Bäume, die wie Möbel im Raum stehen und Struktur geben.
„Für mich entsteht Ruhe oft genau dann, wenn Räume nicht aus vielen einzelnen Dingen bestehen, sondern aus einem Gedanken."Andrea Harbeck

Was mich daran fasziniert, ist die Selbstverständlichkeit, mit der alles miteinander verbunden ist. Nichts wirkt dekoriert oder hinzugefügt. Genau darin liegt für mich die Essenz guter Gestaltung. Ruhe entsteht durch Klarheit. Durch Dinge, die zueinander passen. Durch Materialien, die altern dürfen. Und durch Licht. Ein Licht, das sich wie im Wald mit Tageszeit, Jahreszeit und Wetter verändert und dabei doch immer richtig bleibt.
An einer meiner Lieblingsstellen hier im Wald haben fast alle Baumstämme unten diese dicken grünen Moosschichten. Das Moos zieht sich vom Boden langsam nach oben und auf einmal wirkt nicht mehr jeder Baum einzeln, sondern alles wie ein zusammenhängender Raum.
Ich merke oft erst viel später, dass sich genau solche Bilder längst in meiner Arbeit abgespeichert haben.
Bei der Neugestaltung einer Arztpraxis kam genau dieses Bild wieder hoch. Ich wollte keinen Raum, in dem Möbel einfach herumstehen. Alles sollte mehr miteinander verbunden wirken. Also haben wir Boden, Sitzbank und Empfangstresen aus demselben Material gebaut. Dadurch entstehen weiche Übergänge und die Elemente wirken fast so, als würden sie direkt aus dem Boden herauswachsen.
Genau wie draußen im Wald.

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By
Andrea Harbeck
- Date Mai 14, 2026
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Photography
Andrea Harbeck
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