Das schwierige Beige
Und was Schwarz damit zu tun hat
Manchmal werde ich gefragt, warum ich eigentlich nie mit Farbe arbeite. Oder mit Mustern.
Das stimmt so nicht. Ich arbeite ständig mit Farbe. Nur eben mit warmen, erdigen Tönen, die zu meiner Designsprache gehören. Natur, Sand, Lehm, Kalk, Stein. Für viele ist das „keine Farbe”. Für mich ist es die schwierigste, die es gibt.
Warum ausgerechnet diese Töne? Weil ich glaube, dass wir sie brauchen. Der Tag draußen ist laut. Reiz auf Reiz, Farbe auf Farbe, alles will etwas von uns. Das eigene Zuhause ist für mich der Gegenort. Kein weiterer Reiz, sondern ein Rückzug. Ruhe, Geborgenheit, etwas Erdiges, mit dem Boden Verbundenes.
Das knallige Außen mag ich. (Naja, eigentlich nicht wirklich 😊). Eine Bar, ein Hotel, ein Restaurant. Aber das ist ein Besuch. Ich lasse mich inspirieren, tauche kurz ein, und wenn es mir zu viel wird, gehe ich wieder. Der Reiz ist freiwillig. Zuhause ist er es nicht. Da lebe ich mit dem, was an den Wänden ist. Und das jeden Tag. Niemand streicht alle paar Monate neu oder kauft ständig andere Möbel. Genau deshalb müssen diese Farben über viele Jahre funktionieren, ohne zu ermüden. Sie folgen keinem Trend, also gehen sie auch mit keinem. Sie altern nicht, sie reifen. Daheim will ich ankommen, nicht angesprochen werden.
Für mich gibt zwei Sorten Beige. Das eine ist überall: die Farbe, in die man flüchtet, wenn man keine Entscheidung treffen will. Neutral ist sicher, neutral eckt nicht an, neutral funktioniert im Feed. Man wählt es nicht, man weicht darauf aus.
Das andere Beige ist eine Entscheidung. Es ist schwieriger als jede kräftige Farbe. Eine starke Farbe überdeckt, ein Muster auch. Beige verzeiht nichts. Liegt ein Ton daneben, sieht man es sofort.
„Für mich ist Beige die schwierigste Farbe, die es gibt. Beige verzeiht nichts. Liegt ein Ton daneben, sieht man es sofort.“Andrea Harbeck

Gelernt habe ich das in der Mode. Zwanzig Jahre lang habe ich Kollektionen entworfen, viele davon im Sport. Und Running-Kollektionen sind oft schwarz. Das ist die eigentliche Schwierigkeit: Jede muss anders sein als die letzte, obwohl die Farbe dieselbe bleibt.
Denn sobald die Farbe fehlt, muss der Rest die Arbeit machen. Der Schnitt, die Form, wie eine Naht läuft, ob eine Linie stimmt oder nur fast. Nichts verschwindet mehr hinter einem Print. Alles liegt offen. Wie in einem Raum. Nur dort sind es die Oberflächen, die Kanten, die Übergänge.
Beige ist für mich nicht die Abwesenheit einer Entscheidung. Es ist die Summe aus tausend kleinen.

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By
Andrea Harbeck
- Date Juli 17, 2026
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Photography
Maximilian Bridts, Andrea Harbeck